Es war das Jahr, in dem ich aufhörte Dinge zu kaufen

Mitte 2012 Deutschland, machte ich mich mit einem kleinen Team daran WHY own it zu entwickeln und wollte die Idee schon bald ein Stück weiter tragen. Die neue Idee: Diesen damals erträumten Katalog des Leihbaren gibt es jetzt.

Warum also überhaupt noch Dinge kaufen? Ich entschied mich dazu, ein Jahr (2013) nicht mehr zu konsumieren.

ICH WILL ERLEBEN, NICHT HORTEN

Natürlich gab es Einschränkungen: Ohne Nahrung geht es nicht. Wenn Kleidung kaputt geht oder der Winter hart wird, war auch hier eine Ausnahme erlaubt. Und, getreu meinem Motto „collect moments, not stuff“, wollte ich, anstatt Staubfänger anzuhäufen, so viel wie möglich erleben. Letzte Ausnahme also: Konzerttickets, Reisen, gutes Essen sind erlaubt. Und los ging es!

Am Anfang verkaufte und verschenkte ich so viele Dinge, dass bis auf mein Bett, meine Kleidung, einen Sessel und ein paar alte Schulbänke, an denen mein Team und ich zu dieser Zeit an WHY own it arbeiteten, kaum etwas in meiner Wohnung übrig blieb. Ein befreiendes Gefühl. Den Rest – Bücher, einige Sportgeräte, Reisetaschen und Elektronik – stellte ich bei WHY own it ein, um sie jedem meiner Freunde zugänglich zu machen.

VIELE MENSCHEN KAUFEN DIE GLEICHEN DINGE

Mein Ziel war es nicht nur, meine eigene Plattform auf Tauglichkeit zu testen. Mir war bei der Entwicklung auch aufgefallen, dass viele Leute die immer gleichen Dinge besitzen. Die Biografie von Steve Jobs – fast jeder meiner Freunde im IT-Bereich besaß sie. Eine Bohrmaschine, die zumeist nur wenige Minuten im Jahr läuft – dutzendfach auf WHY own it eingestellt. Es ging darum, diese Dinge nicht mehr zu kaufen, sondern sie nur dann zu nutzen, wenn ich sie benötigte.

Für mich war es ein Weg zurück zu Einfachheit. Ich musste mir kaum noch um die Pflege und Wartung von Dingen Sorgen machen, denn ich besaß ja kaum noch etwas. Es war aber auch ein Weg zurück zur Interaktion, zum Bewusstsein darüber, dass Vorlieben für Produkte auch verbinden können. Wenn ich mir ein Buch auslieh, sprach ich mit meinen Freunden darüber, wenn ich ein Sportgerät auslieh, schnackten wir noch kurz über den anstehenden Urlaub. Es machte mir deutlich, dass der Besitz eines Produkts ein Statussymbol ist. Die geteilte Nutzung dagegen, ist ein Kommunikationsmedium. Dreimal dürft ihr raten, welche Interpretation mir besser gefiel.

DAS NEUE ZIEL: AUS ZWEI KOFFERN ZU LEBEN

Geld habe ich in den zwölf Monaten übrigens kaum gespart. Das zusätzliche Geld habe ich für Konzerte und Reisen ausgegeben. Gekauft habe ich mir lediglich einen Anzug für die Hochzeit von Freunden, ein paar Hemden, einen Wintermantel, Winterschuhe und Laufschuhe. Der Anzug hängt die meiste Zeit im Schrank, den würde ich mir in Zukunft auch lieber ausleihen.

Mein Ziel ist es, in Zukunft nur noch so viel zu besitzen, wie in zwei Koffer hinein passt. Damit wäre ich frei zu leben und zu arbeiten wo ich will. Alles, was ich zusätzlich zum Leben brauche, will ich mir ausleihen. Dass es funktioniert, weiß ich jetzt.

Wenn ihr selbst einmal ausprobieren wollt, wie es ist, den eigenen Konsum zurückzufahren und dafür wieder mehr mit Freunden in Kontakt zu kommen: Ab sofort könnt ihr das neue WHY own it im Apple App Store herunterladen. Neben einem frischeren Look gibt es auch tolle neue Funktionen. Ihr könnt jetzt beispielsweise auf einer Karte sehen, wo ihr euch die gewünschten Produkte in eurer Stadt ausleihen könnt.

Gleich um die Ecke liest eine gewisse Lara die gleichen Bücher wie du? Aber bislang kennt ihr euch noch nicht? Es ist höchste Zeit, das zu ändern.