We failed - Warum die Verleih App WHY own it nicht funktioniert hat

Im Februar 2012 kam mir im Urlaub die Idee zu einer Verleih App. Wäre es nicht super, wenn man sich ein Surfboard von seinen Freunden ausleihen könnte, wenn man wissen würde, welche Bücher die Freunde haben und wo es das beste Steak in der Stadt gibt?

Der Arbeitstitel war HaveWantLove.

Mit dieser Idee kam ich zurück nach Hamburg und habe sie ein paar Freunden erzählt. Schnell haben wir uns entschieden auf “Love” zu verzichten. Es sollte nur um Dinge gehen. Dinge die jemand entweder besitzt oder gerne mal ausleihen würde.

Bei einer Flasche Wein mit Hans, der in der Zwischenzeit die App Clue aufgezogen hat, kamen wir auf den Namen “y’own” von “you own”, einen Tag später wurde daraus “WHY own it”. 

Im April 2012 wurde die WHY own it GmbH gegründet und es wurde angefangen zu entwickeln.

Die App bauten wir unter folgenden Annahmen:

  • Unter Freunden leiht man sich gerne Produkte aus.
  • Einem Fremden würde man nichts ausleihen.
  • Freunde kaufen die gleichen Sachen, lesen die selben Bücher, etc.

Im August war es dann soweit. Die erste Version der iPhone App WHY own it kam in den App Store. 

Version 1: Leihe Produkte von Freunden

Gestartet haben wir mit der ersten Version, in der man sich per Facebook oder E-Mail angemeldet hat. Man konnte seine eigenen Produkte per Foto oder Barcode Scanner hochladen und Produkte von Freunden sehen oder anfragen. Um eine größere Auswahl an Produkten zu bekommen, konnte man Freunde per E-Mail und Facebook einladen.

WHY own it - Die Verleih App - Version 1.0

WHY own it - Die Verleih App - Version 1.0

Mit dem Launch hatten wir sofort ein wenig Presse und waren gespannt, was passieren würde. Wie es bei den meisten Start-ups so ist, passierte erst einmal nicht viel. 

In den kommenden Wochen haben wir immer wieder versucht, das Produkt durch neue Features zu verbessern:

  • Teilen von Produkten via Facebook und Twitter
  • Drag & Drop Usability
  • Ein Punktesystem für’s Hochladen von Produkten. Die Punkte konnte man später für u.a. Freiminuten von car2go eintauschen.

Die Presse war super. Das Thema Shareconomy wurde 2013 zum Lieblingsthema der Presse und wir waren fast immer mit dabei. Jedem Journalisten ist eine schöne Leihgeschichte eingefallen. Nur leider hat unsere App nie wirklich funktioniert. 

Ich werde nie vergessen, als ich mit Phillip bei einem Feierabendbier zusammensaß und bei Galileo ein Beitrag über uns lief. Da haben die Server förmlich gebrannt. Drei Tage später war wieder Flaute. 

Zum zweiten Mal habe ich ein Start-up gegründet, welches in der Presse gut ankam und bei dem jeder gesagt hat “tolle Idee”, das aber eigentlich bei weitem nicht so gut funktioniert hat, wie es nach außen hin aussah.

Anzahl neuer User auf der Verleih App

Anzahl neuer User auf der Verleih App

Downloads der Verleih App: 2012-2014 (getrieben von TV & Presse - 0€ Marketing Spending)

Downloads der Verleih App: 2012-2014 (getrieben von TV & Presse - 0€ Marketing Spending)

Was lief falsch?

Ich habe die Konzeption der ganzen App komplett unterschätzt. Ich erinnere mich daran, dass ein Bekannter aus Berlin mich gewarnt hat, die Konzeption von Mobile Apps sei etwas ganz anderes als die von Webseiten. In meiner damaligen Überheblichkeit habe ich gedacht, dass ich das ganz locker hinbekommen würde.

Zudem sind wir davon ausgegangen, dass den Leuten unsere Idee genauso gut gefällt wie uns und dass sie sich gegenseitig davon erzählen würden. Klar, viele fanden die Idee super, das hieß aber noch lange nicht, dass sie auch die App installierten, sich anmeldeten oder geschweige denn Produkte hochluden.

Leute, die sich angemeldet haben, wollten sich am liebsten etwas ausleihen, hochgeladen hat kaum jemand etwas. Und da meistens noch keiner der eigenen Freunde die App nutzte, bestand für den Nutzer gar nicht die Möglichkeit, sich etwas auszuleihen. Manchmal war das dann der Anreiz, ein paar Freunde einzuladen.

Version 2: Leihe von Nachbarn

Im Oktober 2013 haben wir endlich die App für “Nichtfreunde” geöffnet. Ab diesem Zeitpunkt konnte sich jeder Produkte von Nachbarn ausleihen.

WHY own it - Die Verleih App - Version 2.0

WHY own it - Die Verleih App - Version 2.0

Unsere Annahme für die Version war klar. Unsere Nutzer wollen sich gerne etwas ausleihen, nur gibt es zu wenig Angebot, da kaum einer der eigenen Freunde mitmacht. Mit der Öffnung der App auf Nachbarn konnten sich Nutzer ab sofort Produkte von Leuten in ihrem Umfeld ansehen und ausleihen. Wir dachten, dass das beim Verwender ein positives Erlebnis wecken würde, dass er selbst Produkte hochladen und seinen Freunden von der App erzählen würde. 

Die Aktivität auf der App hat sich jedoch leider nicht groß verändert. 

Version 3: Alles Neu

Im Februar 2014 haben wir dann die Version 3 raus gebracht; dieses Mal mit Flat Design, neuer Produktseite und einer Kartenansicht.

Um diese Version zu bauen, haben wir nicht nur das Frontend sondern auch das Backend komplett neu gebaut. Die Dynamik im Team war super und wir hatten große Hoffnung, dass die Version 3 wesentlich besser funktionieren würde als die vorherigen Versionen.

WHY own it - Die Verleih App - Version 3.0

WHY own it - Die Verleih App - Version 3.0

Nachdem auch die Version 3 nicht den gewünschten Erfolg brachte, ist mein Interesse an der App Monat für Monat geschwunden. Es gab Monate, in denen ich die App nicht einmal mehr geöffnet habe. 

 

 

GAME OVER

Seit Mitte 2014 haben wir intern immer mal wieder mit dem Gedanken gespielt, doch noch eine 4. Version der App auszuprobieren. In den letzten Tagen habe ich allerdings beschlossen, dass ich erst einmal eine Verleih-Pause brauche. 

Unser Entschluss: Wir werden der App vorerst den Stecker ziehen.

Vor 3 Jahren hatte ich die Idee für die App. Heute haben wir die App aus dem App Store genommen. Am 12. März 2015 werden wir den Server endgültig abstellen, was bedeutet, dass Eure Daten komplett gelöscht werden. 

Es ist uns leider nicht gelungen, das Baby zum fliegen zu bekommen.

Der amerikanischer VC Fred Wilson hat in seinem Rückblick über 2014 folgendes geschrieben:

“The “sharing economy” was outed as the “rental economy.” nobody is sharing anything. people are making money, plain and simple. technology has made renting things (even in real time) as simple as it made buying things a decade ago. Uber and Airbnb are the big winners in this category but there are and will be others.”

Die Version 4 wäre auf jeden Fall in Richtung “Rental Economy” gegangen. Ich bin mir sicher, dass irgendjemand das Rennen machen und das Airbnb für Produkte etablieren wird. Wir werden diesen Schritt auf jeden Fall zum jetzigen Zeitpunkt nicht machen. Vielleicht geben wir der ganzen Sache Ende des Jahres noch einmal eine Chance; vielleicht erst im Jahr 2020. Wer weiß? 

Alle Projekte, die ich bis dato gestartet habe, haben in erster Linie ein Problem für mich gelöst. 

“Wie kann ich schnell und einfach coole Öko Klamotten kaufen?”

“Wie kann ich sehen, welche Produkte ich mir von meinen Freunden ausleihen könnte?”

“Wofür gebe ich überhaupt jeden Monat mein Geld aus und wie viel?”

Ich gehe dann immer davon aus, dass andere Leute die gleichen Probleme haben, hinterfrage die ganze Sache und fange an zu konzipieren.

Während ich 2013 versucht habe, nichts zu kaufen und alles über die WHY own it App von Freunden und Nachbarn zu leihen, haben sich meine Prioritäten momentan verschoben.

 

 

Was passiert mit der WHY own it GmbH?

Mein Traum war es immer, eine Firma zu haben, die sowohl Dienstleister ist als auch eigene Projekte umsetzt. Dahinein stecken wir eigentlich schon über ein Jahr unsere Energie. Die Erfahrungen, die wir u.a. mit dem “Nicht-Funktionieren” der WHY own it App gemacht haben, waren dafür wertvoll und fließen mit ein. Zudem haben wir in den letzten Jahren ein gutes Netzwerk an Agenturen, IT-Dienstleistern, Freelancern und Start-ups aufbauen können, mit denen wir nun verschiedene Projekte schnell umsetzen können. 

Nachdem wir zwei Angel Runden gemacht haben, finanzieren wir uns seit Mitte 2013 durch Berater- und Agenturjobs. Wir helfen Großkonzernen und Mittelständlern bei der Konzeption, Umsetzung und Vermarktung von E-Commerce und Mobile Projekten. Dabei entstehen immer wieder neue Ideen, welche wir auf die Straße bringen wollen. 

Ziel ist es, jedes Jahr 1-3 eigene Ideen umzusetzen. Die letzten Monate haben wir uns neben dem Beratungsgeschäft auf just SPENT konzentriert. Ein weiteres Projekt wird gerade entwickelt.